Golden Oldies - was ist zu beachten bei Senioren Katzen?

Durch die grossen Fortschritte in der Katzenmedizin hat sich die allgemeine Gesundheit unserer Katzenpatienten in den letzten 15 Jahren deutlich verbessert. Dadurch werden uns heute erfreulicherweise immer mehr ältere Katzen vorgestellt.

Ich sehe diese weisen Senioren als „Golden Oldies“, die besonders viel liebevolle Pflege, Verständnis und Aufmerksamkeit benötigen. Im Vordergrund sollte dabei nicht nur ein längeres Leben stehen, sondern vor allem eine möglichst hohe Lebensqualität.

Wie sollte sich die tierärztliche Betreuung für Seniorenkatzen ändern?

Grundsätzlich sollte jede Katze einmal jährlich zur Gesundheitskontrolle beim Tierarzt vorgestellt werden. Auch bei jüngeren Katzen können relevante Erkrankungen wie schwere Zahnerkrankungen oder Herzfehler auftreten, die möglichst früh erkannt werden sollten.

Ab etwa neun Jahren, spätestens jedoch ab elf Jahren, sollten Katzen mindestens einmal jährlich gründlich untersucht werden. Fortgeschrittene Senioren profitieren häufig sogar von zwei bis vier Kontrollen pro Jahr, um ihre Lebensqualität möglichst optimal erhalten zu können.

Besonderes Augenmerk gilt dabei der Muskulatur, dem Ernährungszustand sowie dem Gewichtsverlauf. Auch Veränderungen von Aktivität, Verhalten und Allgemeinbefinden werden gezielt erfragt.

Je nach Patient umfasst eine Altersvorsorgeuntersuchung zusätzlich Blut- und Urinanalysen sowie eine Blutdruckmessung. Zähne, Krallen und Fell sollten ebenfalls sorgfältig kontrolliert werden. Gleichzeitig bleiben regelmässige Impfungen und Entwurmungen wichtig, da das Immunsystem älterer Katzen mit den Jahren zunehmend weniger leistungsfähig wird.

Welche Krankheiten sieht man oft bei Seniorenkatzen? Kann man diesen vorbeugen?

Das Altern selbst ist ein langsam fortschreitender Prozess: Der Stoffwechsel verlangsamt sich, Muskeln und Knochen werden schwächer, Seh-, Hör- und Denkvermögen nehmen ab. Manche Senioren entwickeln zudem Schluckbeschwerden. Die Haut verliert an Elastizität, das Fell wird trockener und das Schlafmuster verändert sich häufig.

Zusammen mit einer schleichenden kognitiven Dysfunktion – also einer Form von Demenz – werden manche Katzen nachts unruhig, wirken orientierungslos oder miauen vermehrt. Auch das Immunsystem wird schwächer und die Anfälligkeit für Infektionen nimmt zu. Das Alter selbst ist jedoch keine Krankheit.

Im höheren Alter treten allerdings verschiedene Erkrankungen gehäuft auf, die durch gute Vorsorge früh erkannt und oft erfolgreich behandelt oder zumindest deutlich verbessert werden können.

Kognitive Dysfunktion (Demenz)

Zwischen dem elften und vierzehnten Lebensjahr entwickeln etwa 30 Prozent der Katzen mindestens ein Symptom einer altersbedingten Hirnalterung. Bei Katzen über 15 Jahren steigt dieser Anteil auf über 50 Prozent.

Typische Symptome sind Verwirrtheit, Vergesslichkeit, Umherirren im Haus, ein leer wirkender Blick gegen Wände, reduzierte Fellpflege oder Unsauberkeit. Viele Katzen verlieren ihren gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus, schlafen nachts schlecht und wirken verloren oder unsicher.

Häufig werden solche Katzen auch anhänglicher und suchen verstärkt die Nähe ihrer Besitzer. Typisch ist zudem, dass sie vergessen, auf welcher Seite eine Tür geöffnet wird und deshalb vor den Scharnieren statt beim Türgriff warten.

Wie beim Menschen gibt es leider keine heilende Therapie. Das Fortschreiten kann jedoch mit Medikamenten zur Verbesserung der Hirndurchblutung sowie speziellen Ergänzungsfuttermitteln mit angepassten Vitaminen und Spurenelementen verlangsamt werden.

Hilfreich sind zudem feste Routinen im Alltag und manchmal auch kleine Nachtlichter zur besseren Orientierung. Bei ausgeprägter Demenz sollte der Freigang kritisch beurteilt werden, da manche Katzen draussen die Orientierung verlieren können.

Chronische Niereninsuffizienz

Neben der Schilddrüsenüberfunktion gehört die chronische Niereninsuffizienz zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen. Dabei kommt es zu einer schleichenden und irreversiblen Schädigung des Nierengewebes.

Etwa 30 bis 40 Prozent der Katzen über zehn Jahren sind betroffen, bei Katzen über 15 Jahren liegt der Anteil sogar bei bis zu 80 Prozent.

Die Nieren sind unter anderem dafür verantwortlich, giftige Stoffwechselprodukte über den Urin auszuscheiden, Flüssigkeit und wichtige Eiweisse zurückzuhalten sowie Hormone für die Blutbildung zu produzieren. Symptome treten leider meist erst sehr spät auf – oft erst dann, wenn bereits rund 75 Prozent der Nierenfunktion verloren gegangen sind.

Typische Symptome sind vermehrtes Trinken und Urinieren, Gewichts- und Muskelverlust, Übelkeit, Erbrechen, Austrocknung, Mundgeruch, schlechter Appetit, Müdigkeit sowie Bluthochdruck.

Hier sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen besonders wertvoll: Moderne Laboruntersuchungen ermöglichen oft bereits eine Früherkennung, lange bevor deutliche Symptome sichtbar werden. Eine frühzeitige Anpassung der Ernährung kann die Nieren deutlich entlasten und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Die Hyperthyreose zählt ebenfalls zu den typischen Alterserkrankungen der Katze. Über zehn Prozent der Katzen über zehn Jahren entwickeln mit der Zeit knotige Veränderungen der Schilddrüse, meist gutartige Tumoren.

Diese produzieren unabhängig von der normalen Regulation zu viele Schilddrüsenhormone. Dadurch läuft der gesamte Stoffwechsel dauerhaft auf Hochtouren: Puls und Blutdruck steigen, Organe arbeiten schneller und der Energieverbrauch nimmt massiv zu.

Die Katzen wirken häufig unruhig, gestresst oder reizbarer als früher. Trotz sehr guten Appetits nehmen sie ab, oft treten zusätzlich Durchfall oder Erbrechen auf. Langfristig kann die Erkrankung Herz, Leber und Nieren schädigen.

Wird die Erkrankung früh erkannt, lässt sie sich meist sehr gut behandeln – entweder medikamentös, mit Spezialdiäten oder in manchen Fällen mittels Radiojodtherapie.

Herzerkrankungen

Viele ältere Katzen entwickeln im Laufe des Lebens eine Verdickung des Herzmuskels, eine sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie. Diese kann angeboren, erblich oder erworben sein.

Da Symptome oft erst im fortgeschrittenen Stadium auftreten, ist das sorgfältige Abhören des Herzens bei jeder Kontrolle wichtig. Verdächtige Befunde sollten mittels Ultraschall oder Blutuntersuchung weiter abgeklärt werden.

Betroffene Katzen können Atemnot entwickeln, hecheln oder Blutgerinnsel bilden, die beispielsweise die Hinterbeine oder andere Organe betreffen.

Die Erkrankung ist leider schwieriger zu behandeln als viele typische Herzerkrankungen des Hundes. Dennoch stehen Medikamente und unterstützende Maßnahmen zur Verfügung, um das Herz zu entlasten und Komplikationen zu reduzieren.

Zahnerkrankungen

Gerade bei Senioren sehen wir sehr häufig schmerzhafte Zahnerkrankungen. Besonders typisch für Katzen sind sogenannte Resorptive Läsionen (“FORL”), bei denen sich die Zahnsubstanz auflöst und das Zahnfleisch stark entzündet.

Zusätzlich treten häufig Parodontitis oder andere entzündliche Veränderungen auf. Viele Katzen leiden dabei still, ohne offensichtliche Schmerzäusserungen zu zeigen. Dass eine Katze noch frisst, bedeutet deshalb keineswegs, dass keine Zahnschmerzen vorliegen.

Oft erkennen Besitzer die Veränderungen erst nach einer Zahnsanierung: Die Katze wirkt plötzlich aktiver, gepflegter und insgesamt deutlich wohler.

Unbehandelte Zahnerkrankungen verursachen nicht nur Schmerzen, sondern können auch Herz, Leber und Nieren belasten. Deshalb lohnt sich eine gründliche Abklärung fast immer – auch bei älteren Katzen. Moderne Narkoseverfahren lassen sich heute sehr individuell an den Gesundheitszustand des Patienten anpassen.

Bluthochdruck

Bluthochdruck tritt bei älteren Katzen relativ häufig auf und entsteht oft im Zusammenhang mit Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen. Teilweise ist er jedoch auch Ursache weiterer Organschäden.

Sehr hohe Blutdruckwerte können schwere Folgen wie Netzhautablösungen, Hirnschläge oder Schäden an Herz und Nieren verursachen.

Die Blutdruckmessung selbst ist unkompliziert, wichtig ist jedoch eine ruhige und stressfreie Umgebung, da Stress den Blutdruck kurzfristig stark erhöhen kann. Die Behandlung erfolgt meist erfolgreich mit Medikamenten.

Von Hunden kennen wir, dass sie im Alter oft deutlich schlechter sehen und hören können. Gilt das auch für Katzen?

Teilweise ja – insbesondere das Sehvermögen verändert sich auch bei Katzen im Alter, allerdings etwas anders als beim Hund. Hunde leiden häufig unter einer langsam fortschreitenden Netzhautdegeneration. Diese kommt bei Katzen ebenfalls vor, meist jedoch weniger ausgeprägt. Typisch sind dabei langsam grösser werdende Pupillen und Unsicherheiten vor allem bei Dämmerung oder schlechtem Licht.

Zusätzlich entwickeln ältere Katzen wie wir Menschen eine gewisse Alterssichtigkeit. Das bedeutet, dass nahe Objekte weniger gut fokussiert werden können. Für die meisten Katzen stellt dies im Alltag allerdings kaum ein Problem dar.

Wichtig ist jedoch: Eine plötzlich auftretende Erblindung ist immer ein Notfall und sollte noch am selben Tag tierärztlich abgeklärt werden. Ältere Katzen können als Folge eines Bluthochdrucks eine Netzhautablösung entwickeln. Die Tiere sind dann oft von einem Tag auf den anderen vollständig blind, haben stark erweiterte Pupillen, stossen gegen Gegenstände und wirken entsprechend verängstigt.

Wird schnell gehandelt, kann sich das Sehvermögen teilweise erstaunlich gut erholen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine sofortige Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, insbesondere des Bluthochdrucks. Nach mehreren Tagen verschlechtert sich die Prognose leider deutlich.

Auch das Hörvermögen nimmt im Alter ab. Häufig geschieht dies schleichend und betrifft zunächst einzelne Frequenzen. In manchen Fällen kommt es jedoch auch relativ plötzlich zu einem starken Hörverlust. Eine gezielte Vorbeugung ist nur begrenzt möglich. Besitzer sollten sich älteren Katzen deshalb ruhig und sanft nähern, insbesondere wenn diese schlafen, damit sie nicht erschrecken.

Bei deutlich eingeschränktem Hörvermögen sollte unkontrollierter Freigang kritisch hinterfragt werden, da Gefahren wie Autos schlechter wahrgenommen werden. Ein gesicherter Garten kann hier eine sinnvolle Alternative sein.

Zusätzlich verschlechtert sich im Alter auch der Geruchssinn. Da Katzen ohnehin einen deutlich feineren Geruchs- als Geschmackssinn besitzen, verliert Futter dadurch oft an Attraktivität. Leicht angewärmtes Futter kann helfen, den Geruch zu intensivieren und den Appetit zu verbessern.

Was ändert sich bei Hygiene und Fellpflege im hohen Alter – und was können Besitzer tun?

Die Haut wird im Alter trockener und weniger elastisch. Gleichzeitig entwickeln viele ältere Katzen steifere Gelenke oder Rückenschmerzen und können sich deshalb nicht mehr überall gleich gut putzen – besonders häufig betroffen ist der hintere Rückenbereich.

Besitzer können ihre Senioren unterstützen, indem sie das Fell regelmässig kämmen und verfilzte Stellen frühzeitig entfernen. Zusätzlich können geeignete Pflegeprodukte helfen, die Haut zu befeuchten und die Fellqualität zu verbessern.

Liegen Schmerzen oder Arthrose zugrunde, sollten diese gezielt behandelt werden. Oft verbessert sich dadurch auch die Fellpflege der Katze wieder deutlich.

Ich habe gelesen, dass bis zu 80 Prozent aller Seniorenkatzen an Arthrose leiden. Wie können Katzenbesitzer ihrer Katze helfen?

Das stimmt tatsächlich. Arthrose ist bei älteren Katzen extrem häufig, wird jedoch lange unterschätzt, da Katzen Schmerzen oft sehr gut verbergen.

Typisch ist weniger ein offensichtliches Lahmen als vielmehr ein Verlust der gewohnten Geschmeidigkeit. Die Katzen springen weniger gern, zögern vor Sprüngen oder schlafen deutlich mehr. Manche wirken gereizter oder ziehen sich zurück. Auch Veränderungen der Schlafposition oder kleine Filzstellen im Fell können Hinweise auf Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit sein.

Ganz allgemein gilt: Schmerzgeplagte Katzen wirken häufig eher ruhig, müde oder zurückgezogen als laut leidend.

Unter Katzenspezialisten spricht man manchmal davon, „die Katze zu fragen“. Das bedeutet: Wenn der Verdacht auf Arthrose besteht, aber keine eindeutigen Symptome vorliegen, kann testweise über einige Wochen ein geeignetes Arthrosemedikament eingesetzt werden. Verbessert sich die Lebensqualität sichtbar, bestätigt dies häufig den Verdacht.

Moderne, speziell für Katzen zugelassene Entzündungshemmer können vielen Senioren enorm helfen und ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Studien zeigen zudem, dass gut eingestellte Katzen oft aktiver bleiben und insgesamt länger von einer guten Lebensqualität profitieren.

Auch bei chronischer Niereninsuffizienz können bestimmte Medikamente häufig weiterhin eingesetzt werden, allerdings individuell angepasst und sorgfältig überwacht. Wichtig ist zu verstehen, dass diese Medikamente nicht primär klassische Schmerzmittel sind, sondern Entzündungshemmer. Durch die Hemmung der Gelenkentzündung werden Schmerzen reduziert und das Fortschreiten der Gelenkzerstörung verlangsamt.

Zusätzlich können Ergänzungsfuttermittel wie Glucosamin oder Chondroitin unterstützend wirken. Manche Katzen profitieren auch von speziellen Gelenkdiäten oder CBD-Produkten – vorausgesetzt, diese sind garantiert THC- und terpenfrei.

Seit einigen Jahren stehen zudem moderne Antikörpertherapien zur Verfügung, die einmal monatlich unter die Haut gespritzt werden. Diese blockieren gezielt bestimmte Entzündungsmediatoren und reduzieren Schmerzen oft sehr effektiv – bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit.

Auch kleine Anpassungen im Alltag können Seniorenkatzen enorm helfen: Warme und weiche Liegeplätze, Wärmematten oder Heizlampen werden häufig dankbar angenommen. Kleine Treppen oder Zwischenstufen erleichtern den Zugang zu erhöhten Lieblingsplätzen. Katzenklos sollten einen möglichst niedrigen Einstieg besitzen und ausreichend gross sein, damit sich die Katze ohne Schmerzen drehen kann. Zudem sollten die Wege zum Katzenklo möglichst kurz und ohne Treppen erreichbar sein.

Regelmässige sanfte Bewegung hilft ausserdem dabei, die Gelenke beweglich zu halten.

Gibt es weitere gesundheitliche Aspekte, auf die Besitzer bei ihren Seniorenkatzen achten sollten?

Ein oft unterschätztes Thema sind die Krallen. Ältere Katzen wetzen ihre Krallen zwar meist weiterhin, die äusseren Hornhülsen lösen sich jedoch häufig schlechter ab. Dadurch werden die Krallen dicker und länger.

Besonders an den Vorderpfoten können sie schmerzhaft in die Ballen einwachsen. Deshalb sollten Besitzer die Krallen regelmässig kontrollieren – inklusive der sogenannten Daumenkrallen.

Falls die Krallen zu lang werden, können sie vorsichtig gekürzt werden. Auch die Hinterkrallen sollten kontrolliert werden: Sie wachsen zwar meist weniger stark gekrümmt, können jedoch beim Laufen stören und die Beweglichkeit zusätzlich beeinträchtigen.

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Erbrechen bei Katzen - wann zum Tierarzt?